Ein
Tisch ist ein Tischoder, Was tun die Dinge, wenn wir
nicht da sind ...? Gedanken zur Installation, Le rêve
de Riri". ,,Rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf
"das i Gedicht".
Eine
zarte, klare Kinderstimme leitet uns in ein leer wirkendes
Zimmer. Pulsierende Geräusche, helle Klänge,
Gemurmel empfangen uns.
An
den Zimmerwänden befinden sich kleine rahmenlose
Farbzeichnungen, kiihl distanziert wie in Aspic konserviert,
,,frozen dreams ".
lhre
Leichtigkeit und akzentuierende Farbigkeit lassen sie
fast immateriell im Raum schweben, lediglich die Plexiverglasung
scheint sie zu fixieren, um sie uns als Betrachter sichtbar
zu machen.
"So nah ... und doch so fern".
Ein
kleiner, alter, hölzener Schultisch mit einem Stuhl
davor steht einsam im Raum. Die hochgeklappte Schreibplatte
gibt Einsicht in das Innenfach des Pultes, das bis zum
Rand mit weichen hellen Daunenfedem gefüllt ist.
Eine Projektionsfläche ist bildschim‑artig
in die eigentliche Schreibebene eingelassen.
Auf
ihr bewegen sich wie Scherenschnitte von rechts nach links
farbige, kleine, schreitende Figuren,
kurze Situationen, ein Vogel hüpft leitmotivisch
miy uns von Bild zu Bild, ein kleiner schlafender
Junge (=Riri?) erscheint kurz in der Szene. Wir nehmen
teil an Riris (frz.: rire = lachen, lächeln) Traum,
seinen Innenwelten, seinen Wünschen. Besucher, vornehmlich
Kinder, nehmen Platz auf dem freien Stuhl und bleiben
erstarrt und still harrend, fasziniert sitzen. Der als
künstlerisch-künstliche Identifikationsstruktur
von Liana Zanfrisco, gedachte' Stuhl wird körperlich,
die Besucher sind aktiver Teil der Installation.
Diese in der Konzeption nicht reflektierte rezeptionästhetische
Verselbständigung erweitert das Environment wohltuend,
verlebendigt es nicht aktionistisch wie die uns bekannten
, happenings' vergangener Tage, sondem verbindet genau
jene Grenze zwischen Kunst und Leben, wo beide wirklich
werden.
Die fast andächtige, meditative und kontemplative
Atmosphäre wird wahr‑genommen, respektiert.
Kleine Kinderfinger bewegen sich im Rhythmus des Films
zeitlupenartig und komplettieren Riris Träume mit
den eigenen Imaginationen der Mitakteure.
Schattenvögel,
Kaninchen, Schlangen... werden nun in die Bildwelten eingefügt.
Alle nehmen das Spiel an, lassen sich einen Moment verzaubern,
zaubern mit.
Leises,
heiters Lächeln erfüllt den Raum, dessen gedämpftes
Standortlich die wunder-bare Stimmung schützend umschliesst.
Wänden wirken nun wie „stills“ des imaginären
Films.
Dreams that money cant’t buy.
Wolfgang Schulte, May 2003 |